Arbeitsvermittlung - Zeitarbeit - Arbeitslosigkeit - Weiterbildung

Zusammenhänge erkennen      -     Handlungen verstehen     -     Entscheidungen mitgestalten  

Donnerstag, 04 Juni 2020

Förderung einer beruflichen Weiterbildung beantragen


Allgemein  
Vor der Beratung  
Eintrittstermin  
Grundsätzliche Überlegung 
Vermittlungsvorrang
Argumente sammeln  
Überlegungen konkretisieren  
Beratungsgespräch  
Vorrang der Vermittlung  
weitere Maßnahme beantragen
Entscheidung  



Allgemein

Die Beantragung einer Weiterbildung erfolgt im Gespräch mit Ihrem Arbeitsvermittler. Es gibt kein Formular für die Beantragung.

Zwei wichtige Punkte:

  • Weiterbildungswunsch möglichst schnell angehen! 
    Warum sollte die Agentur für Arbeit erst kurz vor Ende des Arbeitslosengeldbezugs eine Weiterbildung fördern und das Arbeitslosengeld somit verlängern?

  • Agieren und nicht reagieren!
    Ihre Entscheidung zum Thema Weiterbildung sollte bereits vor der ersten Beratung in der Arbeitsvermittlung fallen.
    Wenn Ihr Arbeitsvermittler ein Weiterbildungsziel vorschlägt, kann es für eigene Überlegungen zu spät sein.

Vor der Beratung

Wichtig, wenn Sie einen Berufsabschluss nachholen wollen, besteht seit 29.05.2020

  • ein Rechtsanspruch auf das Nachholen eines Berufsabschlusses
  • für ungelernte oder wieder ungelernte Bewerber

Voraussetzungen für eine Förderung

Eine Weiterbildung muss notwendig sein, um

  • drohende Arbeitslosigkeit zu verhindern  -oder-
  • bestehende Arbeitslosigkeit zu beenden  -oder-
  • einen Berufsabschluss nachzuholen  -oder-
  • Kenntnisse an die künftigen Entwicklungen anzupassen

Nachholen eines Berufsabschlusses: Notwendigkeit liegt vor. Es besteht ein Rechtsanspruch.

Eintrittstermin

Der Eintritt in eine Bildungsmaßnahme ist bereits am ersten Tag der Arbeitslosigkeit bzw. bereits während der Laufzeit einer Kündigung möglich. Der Eintritt während des noch laufenden Arbeitsvertrages ist dann möglich, wenn die Kündigung erfolgt ist und Sie von der Arbeitsleistung unwiderruflicher freigestellt wurden.

Grundsätzliche Überlegungen

  • Ist eine Weiterbildung notwendig/sinnvoll um im Berufsleben zu bestehen?
  • Müssen meine Kenntnisse auf den aktuellen Stand oder an kommende Anforderungen angepasst werden?
  • Wie lange kann ich eine Maßnahme finanziell durchstehen?
  • Genügt eine kurze Qualifizierung oder ist eine Umschulung notwendig?
    Besonderheit Umschulung: Es muss nicht immer eine Ausbildung am Stück sein. Möglich sind auch sogenannte "Teilqualifizierungen" (siehe unter Links).
  • Ist eine weite Anfahrt oder ein Umzug zur Qualifizierung akzeptabel?
  • Will ich Freizeit opfern, um Unterrichtsstoff zu vertiefen?
  • Muss ich auf Familie/Umfeld Rücksicht nehmen?

Argumente sammeln

  • Welche Tätigkeit wird von mir angestrebt?
  • Welche Kenntnisse fehlen mir für eine Arbeitsaufnahme?
  • Blick in die Jobbörse "Finden Sie den geeigneten Bewerber":
    Hier finden Sie Mitbewerber bei der Stellensuche. Was bieten diese an zusätzlichen Kenntnissen? Was fehlt Ihnen?
  • Bewerben, bewerben, bewerben!
    Absagen frustrieren, können aber die Notwendigkeit einer Weiterbildung gegenüber Ihrem Arbeitsvermittler untermauern.
  • Stellenanzeigen sammeln. So können Sie Ihre Kenntnisse den Anforderungen am Arbeitsmarkt gegenüberstellen.
  • Mögliche weitere Informationsquellen für erforderliche Kenntnisse sind
        "Berufenet" der Agentur für Arbeit 
        "BerufeTV" der Agentur für Arbeit
        "Karrierevideos" des Arbeitsmarktservices Österreich  
  • Fragen, wenn Sie einen Berufsabschluss nachholen wollen: 
    Sind Sie für den angestrebten Beruf körperlich, geistig geeignet?
    Können Sie die Maßnahme erfolgreich abschließen/durchstehen (fachlich, finanziell)?
    Verbessern sich durch den neuen Beruf die Beschäftigungschancen?

Übertragung konkretisieren

  • Betriebliche Ausbildung wird angestrebt
    Ihr Arbeitsvermittler vermittelt keine Ausbildungsstellen. Sie müssen selbst suchen.
    Fundstellen:
        Jobbörse der Agentur für Arbeit. Stellenart "Ausbildung".
        Lehrstellenbörsen der Handwerkskammern.
        Lehrstellenbörsen der Industrie- und Handelskammern.

  • Maßnahme bei einem Träger wird angestrebt 
    Gibt es Maßnahmen, die mit dem Bildungsgutschein der Arbeitsvermittlung gefördert werden können? 
    Suchen Sie schon vor dem Gespräch beim Arbeitsvermittler nach möglichen Maßnahmen. 
    Fundstellen: 
        "Kursnet" auf der Homepage der Agentur für Arbeit
        "Deutscher Bildungsserver für Weiterbildungsangebote"

  • Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt (Angebot, Nachfrage) können Sie dem "Ausbildungsmarktradar" und "Planet-Beruf regional" ableiten.
  • Sie suchen keine Komplett-Ausbildung, sondern nur eine Anpassung der beruflichen Kenntnisse? Stürzen Sie sich nicht auf das nächstbeste Angebot. Vergleichen Sie unbedingt die Inhalte ähnlicher Bildungsgänge. Unterschiede können im "Beiprogramm" liegen.

Bildungszielplanung der Agenturen

Werfen Sie einen Blick in die Planungen Ihrer Agentur. Ist Ihr Qualifizierungswunsch aufgeführt oder ausgeschlossen? Sollte Ihr Ziel fehlen, bedeutet dies nur, dass dazu keine positive oder negative Wertung besteht. 

Beratungsgespräch beim Arbeitsvermittler

Benennen Sie Ihre vorhandenen und Ihre fehlenden Kenntnisse.
Auch die Ausprägungen sind wichtig (Grundkenntnisse - Expertenkenntnisse).
Kenntnisse und Ausprägung können in der Jobbörse der Agentur für Arbeit veröffentlicht werden. Hier kann eine negative Darstellung Ihre Chancen in der Arbeitsvermittlung mindern. Sprechen Sie hinsichtlich der Veröffentlichung der Daten mit Ihrem Arbeitsvermittler.

Ihre Sicht zur Notwendigkeit der Weiterbildung muss nicht mit der des Arbeitsvermittlers übereinstimmen. Der Arbeitsvermittler der Agentur für Arbeit kann aufgrund seiner Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt zu einer anderen Einschätzung kommen. Bei einer anderen Auffassung wird er seine Sicht der Dinge aber erläutern. Es liegt dann an Ihnen, sich dieser Meinung anzuschließen oder (mit den richtigen Argumenten) zu widersprechen.

Vorrang der Vermittlung

Die Vermittlung in eine Beschäftigung hat Vorrang vor finanziellen Leistungen, bspw. einer Weiterbildung (§ 4 Abs. 1 SGB III).

Vorrang bei Bewerbern mit Berufsabschluss

Für Bewerber mit Berufsabschluss

  • kann eine Weiterbildung vorrangig sein
  • wenn der Antragsteller bisher fast nur befristete Tätigkeiten gefunden hat
    -und-
  • durch die Weiterbildung eher eine dauerhafte Anstellung erlangt werden kann.

Vorrang bei Bewerbern ohne Berufsabschluss

Für ungelernte / wieder ungelernte Bewerber besteht seit 29.05.2020 ein Rechtsanspruch auf Förderung des Erwerbs eines Berufsabschlusses.
Wollen Sie einen Berufsabschluss nachholen, gibt es also keinen Vorrang der Vermittlung.


Weitere Bildungsmaßnahme beantragen

Grundsätzlich ist eine weitere Förderung im Rahmen des § 81 SGB III nach unseren Feststellungen möglich. Es gibt auch keine Wartefrist. Vor einer weiteren Maßnahme wird erneut geprüft, ob die Weiterbildung für die Beendigung der Arbeitslosigkeit notwendig ist.

Da Ihr Arbeitsvermittler vor Beginn der ersten Weiterbildung zusammen mit Ihnen festgestellt hat, dass diese erste Maßnahme für eine Eingliederung auf dem Arbeitsmarkt ausreichen wird, ist eine weitere Förderung eher unwahrscheinlich. Es ist eine gute Begründung Ihrerseits notwendig.

Entscheidung

Wird Ihrem Weiterbildungswunsch entsprochen, erhalten Sie einen Bildungsgutschein (BGS) nach § 81 Abs. 4 SGB III.

Wird Ihrem Weiterbildungswunsch nicht entsprochen, teilt Ihnen Ihr Arbeitsvermittler dies üblicherweise mündlich mit. Gegen eine Ablehnung können Sie Widerspruch einlegen. Dazu müssen Sie aber auf einer schriftlichen Ablehnung bestehen.

ACHTUNG: Die Agentur für Arbeit verwendet für schriftliche Bescheide oft Textbausteine. Achten Sie bei der Ablehnung der Weiterbildung darauf, dass im Bescheid konkret auf Ihren Wunsch eingegangen wird. Sie haben andernfalls Schwierigkeiten, Ihren Widerspruch zu begründen. 

Begriffe

Aktionszeit

Zeitspanne zwischen dem Tag der frühzeitigen Arbeitsuchendmeldung nach § 38 SGB III und dem Eintritt der Arbeitslosigkeit. Wird auch „Job-to-Job-Phase“ genannt.


 

Links

Teilqualifizierungen

   Berufsanschlussfähige Teilqualifikationen 
   www.arbeitsagentur.de/.../berufsanschlussfaehige-teilqualifikationen   
   So sind Teilqualifikationen konstruiert 
   www.arbeitsagentur.de/.../konstruktionsprinzipien_ba017222.pdf  

Eignung/Neigung 

   "Berufecheck" - Welcher Beruf passt zu Ihnen. 
   www.berufecheck.arbeitsagentur.de/berufecheck 
   siehe auch Flyer "Berufecheck - Passt der Beruf zu Ihnen?"
   Bundesagentur für Arbeit

   Planen Sie Ihre Weiterbildung
   https://ben.arbeitsagentur.de 
   Bundesagentur für Arbeit

Ausbildungsstellen

   Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit
   Eingabefeld "Sie Suchen: Ausbildung"
   www.jobboerse.arbeitsagentur.de
   Bundesagentur für Arbeit

   Lehrstellenradar des Handwerks mit Ausbildungsstellen
   www.lehrstellen-radar.de/5100,90,lsrsearch.html 
  ODAV AG - Gesellschaft für Informatik und Telekommunikation

   Ausbildungsstellen-Verzeichnis der IHK
   www.ihk.de/ihk-lehrstellenborse 
   Deutscher Industrie- und Handelskammertag

   Ausbildungsmarktradar
   www.arbeitsmarktmonitor.arbeitsagentur.de/.../29055/0/F33/ 
   Bundesagentur für Arbeit

   Planet-Beruf regional
   www.regional.planet-beruf.de  
   Bundesagentur für Arbeit

Bildungsmaßnahmen

   Kursnet
   www.kursnet-finden.arbeitsagentur.de/kurs/index.jsp
   Bundesagentur für Arbeit

   Deutscher Bildungsserver für Weiterbildungsangebote
   www.iwwb.de/ 
   Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF)

Berufskunde

   "Berufenet"
   berufenet.arbeitsagentur.de/berufenet/faces/index?path=null 
   Bundesgentur für Arbeit

   "BerufeTV"
   www.berufe.tv
   Bundesagentur für Arbeit

   "Karrierevideos"
   www.karrierevideos.at
   Arbeitsmarktservices Österreich

Fördermöglichkeiten

   "Förderdatenbank" 
   Förderprogramme von Bund, Länder und EU
   www.foerderdatenbank.de
   Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Allgemein

Infotelefon Weiterbildungsberatung
Hilfe bei der Suche nach der richtigen Weiterbildung
www.der-weiterbildungsratgeber.de/ 
Bundesministerium für Bildung und Forschung